Thermische Impedanz von Leistungswandlern – Die wichtigsten Punkte im Überblick

Thermische Impedanz von Leistungswandlern
Alle Leistungswandler geben im Inneren Energie als Wärme ab und erwärmen sich dadurch stärker als ihre Umgebung. Solange diese zusätzliche Wärme effizient an die Umgebung abgegeben werden kann, ohne dass im Inneren des Bauteils kritische Temperaturgrenzen überschritten werden, kann der Wandler bei voller Leistung betrieben werden.

Bei einer bestimmten Umgebungstemperatur erreicht der Wandler seinen maximal zulässigen internen Temperaturgrenzwert. Um eine weitere Temperaturerhöhung zu vermeiden, muss die Verlustleistung durch Reduzierung der Last verringert werden. Dieser Vorgang wird als Derating bezeichnet1.

Berechnung der thermischen Impedanz und des Temperaturanstiegs

Die Wärmeabgabe eines Spannungswandlers vom Gehäuse an die Umgebung lässt sich anhand der folgenden Zusammenhänge beschreiben:

Gleichung zur Wärmeabgabe eines Spannungswandlers

Ist die Verlustleistung bekannt (Differenz zwischen Eingangs- und Ausgangsleistung), ergibt sich die thermische Impedanz aus der Temperaturdifferenz, um die das Gehäuse über der Umgebungstemperatur liegt. In der Praxis ist diese Gleichung jedoch schwierig anzuwenden. Der Temperaturanstieg des Wandlers über die Umgebungstemperatur muss sehr präzise bestimmt werden, um verlässliche Ergebnisse zu erhalten. Eine Möglichkeit, die Messgenauigkeit zu erhöhen, besteht darin, die Temperaturdifferenz (ΔT) in mehreren Messungen bei unterschiedlichen Umgebungstemperaturen zu bestimmen.

Um eine wirksame Konvektionskühlung zu gewährleisten, muss die thermische Impedanz in einer zugfreien Umgebung bestimmt werden, da die Luftbewegung durch den Ventilator der Wärmekammer das Ergebnis beeinflussen kann. Wird das zu testende Gerät (D.U.T.) in einem Pappkarton in einer temperierbaren Kammer platziert und eine Vierleitermessung (Kelvinkontaktierung) durchgeführt, lassen sich relativ genaue Ergebnisse erzielen:

Das Maschengitter ermöglicht Luftzirkulation, blockiert aber gleichzeitig den Luftzug

Das Maschengitter ermöglicht die Luftzirkulation und blockiert gleichzeitig Zugluft.

Testaufbau zur Bestimmung der thermischen Impedanz (DC/DC) mittels Wärmekammer

Abb. 1: Testaufbau zur Bestimmung der thermischen Impedanz (DC/DC) mittels Wärmekammer

Der Grund, warum Temperaturmessungen in einer zugfreien Umgebung erfolgen müssen, ist, dass die thermische Impedanz unter verschiedenen Bedingungen erheblich variiert. Sie hängt stark davon ab, wie effizient die Wärme an das umgebende Fluid (in den meisten Fällen die Umgebungsluft) abgegeben wird. Ist der Wärmeübergangskoeffizient gering, führt die Verlustleistung zu einem größeren Temperaturanstieg im Gehäuse und damit zu einer höheren thermischen Impedanz. Ist die Wärmeübertragung effizienter, fällt der Temperaturanstieg bei gleicher Verlustleistung geringer aus und führt zu einer niedrigeren thermischen Impedanz. Gleichung 1 ist somit korrekt, jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen (nur Konvektionskühlung). Um reproduzierbare Ergebnisse zu erhalten, müssen die Testbedingungen konstant bleiben. Die Dokumentation des Testaufbaus, der verwendeten Ausrüstung und der durchgeführten Kalibrierungen ist ebenso wichtig wie das Messergebnis selbst.

Für die meisten Anwendungen ist die thermische Impedanz bei Konvektionskühlung der aussagekräftigste Wert, da dies der typischen Einsatzweise von leiterplattenmontierten Wandlern entspricht. Der Wandler wird auf eine Leiterplatte gelötet und die Wärme aus dem Inneren des Wandlers durch Konvektionskühlung an die Umgebung abgegeben. Ein Teil der Wärme wird auch über die elektrischen Verbindungen zu den PCB-Leiterbahnen abgeführt. Daher sind Derating-Übersichten in Datenblättern nur dann zutreffend, wenn die empfohlenen Leiterplattenlayouts eingehalten werden. Eine geringe Wärmemenge wird zusätzlich durch Strahlung an die Umgebung abgegeben, dieser Effekt ist jedoch in der Praxis vernachlässigbar.

Wärmeabfuhr und Kühlmethoden: Konvektion vs. forciert Kühlung

Der wirksamste Weg, die Wärmeabgabe an die Umgebung zu verbessern, besteht darin, das umgebende Fluid in Bewegung zu versetzen (daher kann der Ventilator in der Wärmekammer die Messwerte beeinflussen). Dieser Effekt ist allgemein bekannt, seit Isaac Newton 1701 eine Arbeit mit folgender Gleichung veröffentlichte:

q Gleichung

q entspricht der Wärmeübergangsrate, h dem Wärmeübergangskoeffizienten, A der Oberfläche des D.U.T. und ΔT der Temperaturdifferenz zwischen dem D.U.T. und der Umgebung.
Thermische Impedanz vs. Geschwindigkeit des Luftstroms
Abb. 2: Thermische Impedanz vs. Geschwindigkeit des Luftstroms
Das Newtonsche Abkühlungsgesetz besagt, dass bei einer gegebenen Temperaturdifferenz die Wärmeübergangsrate durch Vergrößerung der Oberfläche (z. B. durch einen gerippten Kühlkörper am Prüfkörper) oder durch Verbesserung des Wärmeübergangskoeffizienten (z. B. durch einen gerichteten Luftstrom auf den erwärmten Bereich des Prüfkörpers) erhöht werden kann.

Der Wärmeübergangskoeffizient ändert sich typischerweise an einer Randbedingung abrupt, wenn der Luftstrom über den Wandler von laminarer zu turbulenter Strömung übergeht. Bei den meisten Leistungswandlern mit flacher Oberfläche liegt dieser Übergangspunkt bei 0,1-0,2m/s. Daher kann ein Luftstrom von 0,1m/s (20LFM) als Konvektionskühlung betrachtet werden, während höhere Strömungsgeschwindigkeiten als forcierte Luftkühlung gelten.

RECOM verfügt über einen eigenen Windkanal, um die thermische Impedanz unserer Produkte unter forcierter Kühlung präzise zu bestimmen. Der Luftstrom innerhalb des Windkanals ist aufgrund eines wabenförmigen Strömungskonditionierers laminar, und das Ausgangsdiffusor-Element reduziert Gegendruckschwankungen, sodass ein gleichmäßiges Druck- und Luftstromprofil in der Testkammer gewährleistet ist.

Ein Präzisions-Luftströmungssensor, der mit einem Regelkreis zur Steuerung des Lüfters verbunden ist, gewährleistet einen stabilen und exakt regelbaren Luftstrom. Die Temperatur des Geräts wird mit einer Wärmekamera gemessen, um Turbulenzeffekte zu vermeiden, die durch das Einbringen eines Fremdkörpers in den Luftstrom nahe dem Testobjekt entstehen würden.

Windkanal bei RECOM

Abb. 3: Windkanal bei RECOM

Das kleine Rundfenster besteht aus speziellem, infrarotdurchlässigem Glas, sodass die Temperatur des Prüfobjekts von außen mit einer IR-Kamera überwacht werden kann. Der Präzisions-Luftströmungssensor oben links ist mit der Steuerungseinheit des Lüfters (rechts im Bild) verbunden, sodass der Luftstrom präzise geregelt werden kann. Mit dieser spezialisierten Ausrüstung sind wir in der Lage, die Parameter für Konvektionskühlung und forcierte Kühlung unserer Produkte präzise zu bestimmen und in unsere technischen Datenblätter aufzunehmen. Ein Beispiel ist der RPA200H:

Konvektions- und forcierte Kühlungsparameter

Expertenlösungen für Wärmeabfuhr in Leistungswandlern

RECOM entwickelt kompakte, kostengünstige und hocheffiziente AC/DC, DC/DC und Schaltregler-Spannungsversorgungen. Der Wirkungsgrad eines Wandlers, insbesondere bei Modulen zur Leiterplattenmontage mit hoher Leistungsdichte, ist ein entscheidender Faktor bei der Auswahl des optimalen Bauteils für eine Anwendung. Ein Wandler mit einem Wirkungsgrad von 96% erzeugt beispielsweise im Vergleich zu einem Wandler mit 92% nur etwa halb so viel Verlustleistung.

Wir führen mit unserem hauseigenen automatisierten Testsystem, unseren Klimakammern und unserem Windkanal umfassende Tests durch, um präzise Temperaturdaten für unsere Datenblätter bereitzustellen, darunter Angaben zur thermischen Impedanz, zur maximalen Gehäusetemperatur, Tabellen zum Wirkungsgrad-Last-Verhältnis sowie Derating-Diagramme für Standardmodule und Varianten mit Kühlkörperoption.

Wir tun dies, damit unsere Kunden das optimale Bauteil für ihre Anwendung auswählen, integrieren und sicherstellen können, dass der Wandler sowohl bei extrem niedrigen (bis zu -40°C) als auch bei hohen (bis zu 100°C) Umgebungstemperaturen innerhalb seiner spezifizierten Leistungsgrenzen arbeitet. Da die Auswahl des Wandlers und des geeigneten Kühlsystems entscheidend für den Projekterfolg sein kann, empfiehlt es sich, den technischen Kundendienst von RECOM zu kontaktieren und sich von erfahrenen Vertriebstechnikern beraten zu lassen.

1 Weitere Informationen finden Sie im RECOM DC/DC Book of Knowledge, Kapitel 3.
  Serie
1 RECOM | RPA200H-RUW Series | DC/DC, THT, 200W, Single Output
  • 10:1 ultra wide input voltage range
  • 4.242kVDC/1 minute reinforced insulation
  • UL/IEC/EN60950-1 certified
  • CE marked, CB report