Zuverlässige Energieversorgung für smarte Bahnsysteme mit DC/DC-Wandlern

Schema eines Stromrichters in Bahnanwendungen
Weltweit werden die Bahnnetze ausgebaut, angetrieben durch zunehmenden Wohlstand, höhere Mobilität, wachsenden Tourismus sowie die Modernisierung von Infrastrukturen für einen nachhaltigeren und umweltfreundlicheren Verkehr. Insbesondere China und Indien investieren massiv in den Bahnsektor mit einem prognostizierten Marktvolumen von 180 Milliarden Euro im Jahr 2020, das 1,38 Millionen Streckenkilometer umfasst [1]. Da die Bereitstellung neuer Ausrüstung der steigenden Nachfrage hinterherhinkt, läuft ein Programm zur Aufrüstung bestehender Infrastruktur und Schienenfahrzeuge, um die Effizienz zu steigern und den Transport aufrechtzuerhalten.

Intelligente Ressourcennutzung und Zustandsüberwachung in Bahnsystemen

Neue und vorhandene Schienenfahrzeuge können effizienter genutzt werden, wenn sie mit intelligenten Systemen ausgestattet sind, die stillstehende und in Betrieb befindliche Fahrzeuge nachverfolgen, um eine höhere Verkehrsdichte zu ermöglichen. Der Betriebszustand lässt sich auch mit Techniken wie Remote Condition Monitoring (RCM) und zustandsorientierter Instandhaltung (CBM) überwachen. Diese Technologien erfassen erforderliche Reparatur- und Wartungsmaßnahmen bedarfsorientiert, was Kosten senkt und Zuverlässigkeit sowie Verfügbarkeit erhöht. Die Zustandsüberwachung liefert zusätzliche Daten wie Belegungsraten und zurückgelegte Wegstrecken, die zur weiteren Effizienzsteigerung analysiert werden können. Es wird erwartet, dass der Bahnsektor in den nächsten 12 Jahren rund 27 Milliarden Euro in diese IoT-Technologie investiert [2].

Zustandsüberwachung und Sensorik in Bahnsystemen

Status und Zustand der Schienenfahrzeuge können mithilfe von Sensoren ermittelt werden, die Achsanzahl, Lagertemperatur, Schwankungen der Versorgungsspannung, akustische Geräusche, Schock, Vibrationen, Türbetriebszyklen, Belegung, Luftqualität, Lichtstärke und mehr messen. Während ein Sensor zum Beispiel so einfach sein kann wie ein Thermistor zur Temperaturmessung, wird zunehmend mehr Intelligenz eingebettet – etwa mit einem digitalen Signalprozessor (DSP), einem Datenlogger und einer drahtgebundenen oder drahtlosen Schnittstelle, möglicherweise unter Verwendung von Langstreckenfunk (LoRa) oder WLAN. Schienenfahrzeuge können zudem per GPS nachverfolgt werden. Da der Sensor in sich geschlossen ist und drahtlos kommuniziert, sind Upgrades bei Altanlagen einfacher, und bei neuen Fahrzeugen ist weniger Verkabelung erforderlich und die Flexibilität durch Remote-Updates und Anpassungen verbessert.

Sensorstromversorgung über DC/DC-Wandler

A temperature sensor in a rail application
Abb. 1: A temperature sensor in a rail application
Ein Sensor benötigt in der Regel nur wenige Watt für den Betrieb bei niedriger Spannung, die mithilfe eines DC/DC-Wandlers von der Hauptsystemschiene herunterkonvertiert wird. Die Nennspannung des Systems beträgt häufig 110VDC, kann aber auch nur 24V betragen. Der Leistungsbedarf kann jedoch höher sein, bis zu etwa 40W, wenn mehrkanalige Sensoranordnungen vorliegen oder Aktuatoren angetrieben werden müssen.

Normalerweise werden für jeden Sensor einzelne isolierte DC/DC-Wandler verwendet, um Ausgangsspannungsabfälle gering zu halten und Erdschleifen zu vermeiden, die EMV-Probleme wie Querstörungen am Sender verursachen könnten. Die Versorgungsschiene des Systems ist jedoch nicht „sauber“. Die Norm EN50155:2017 erlaubt Spannungsabweichungen von +25%/-30% im Normalbetrieb, mit Einbrüchen bis 60% und Spannungsspitzen bis 140% des Nennwerts für 100ms ohne Funktionsabweichung sowie 125% bis 140% des Nennwerts für 1s mit möglichem Leistungsabfall. Um diese Abweichungen abzudecken, müssen DC/DC-Wandler für 110V Systeme typischerweise im Bereich von 43 bis 160VDC arbeiten.

Schnelle transiente Überspannungen treten ebenfalls auf der Systemschiene auf, wie in der Normenreihe EN61000-4-x definiert. Diese können jedoch durch Überspannungsschutzkomponenten und einfache LC-Filter gedämpft werden. Es kann auch zu einem vollständigen Versorgungsausfall kommen; EN50155 unterscheidet hierbei zwei Klassen, S1 und S2, wobei die schwerwiegendste einen Versorgungsverlust von 10ms am Nenneingang ohne Leistungsabfall beschreibt. Bei einigen Geräten kann die Unterbrechung beim Umschalten der Versorgung bis zu 30ms betragen (Klasse C2). Um dies auszugleichen, wird üblicherweise eine außerhalb des Wandlers platzierte Überbrückungskapazität hinter einer Serien-Trenndiode eingesetzt, die zusätzlich als Verpolungsschutz dient – eine weitere Anforderung der Norm.

Eine Beispielanwendung ist in Abbildung 1 dargestellt, in der ein Lüfter durch einen Wagentemperatursensor aktiviert wird. Temperatur und Status werden dabei über eine WLAN-Verbindung übertragen. Die Abbildung zeigt einen RECOM-DC/DC-Wandler mit 8W Leistung und einem Eingangsspannungsbereich von 43 bis 160V, der eine geregelte, isolierte 5V-Stromschiene für die Sensorschaltung bereitstellt. Mit Abmessungen von 32×20×10mm ist der DC/DC-Wandler äußerst kompakt. Zudem verfügt er über erweiterten Hold-up- und Verpolungsschutz sowie einen optionalen EMI-Filter für hohe Immunität gegenüber transienten Spannungen und geringe leitungsgebundene Emissionen, obwohl der RECOM-Wandler bereits einen hohen Konformitätsgrad mit der Eisenbahn-EMV-Norm EN50121-3-2 erfüllt.

RIA-12-Konformität für Bahnstromversorgungen

Zu den Anforderungen an DC/DC-Wandler für Bahnanwendungen gehört in manchen Fällen die Einhaltung der britischen RIA-12-Norm, die höhere Energiespitzen bis zu 385V für 20ms bei 110Vnom (3,5×Unom) in 110V-Systemen festlegt. Bei einer Quellenimpedanz von nur 0,2Ω führt die Begrenzung der Eingangsspannung mit einem Überspannungsbegrenzer jedoch zu einer übermäßigen Leistungsabgabe. Eine Lösung von RECOM ist der RSPxx-168-Vorregler (Abbildung 2), der die Stoßspannung auf einen Maximalwert innerhalb des Eingangsspannungsbereichs der DC/DC-Wandler absenkt. Es werden drei Module für DC/DC-Wandler mit 20W, 150W oder 300W angeboten.

Funktionsweise des RECOM Überspannungsschutzes für RIA-12-Anwendungen

Abb. 2: Funktionsweise des RECOM Überspannungsschutzes für RIA-12-Anwendungen

Umwandlung auf höheren Leistungsebenen

Zentralisierte Systeme für Schienenfahrzeuge und streckenseitige Einrichtungen benötigen ebenfalls Spannungswandler mit höheren Leistungsstufen. DC/DC-Wandler im Bausteinformat sind weit verbreitet, etwa die Serien RPxxx-RW und RPxxxRUW von RECOM. Diese enthalten Komponenten, die über einen 12:1-Eingangsspannungsbereich mit Nennwerten arbeiten und alle Bahnnormen von 24 bis 110VDC einschließlich Überspannungen und Spannungseinbrüchen abdecken. Auch das DIN-Schienenformat ist in Bahnanwendungen gängig. Ein Beispiel ist das robuste 120W-Modul SQ120 mit 110VDC-Eingang, das der Norm EN50155 entspricht. Das Portfolio umfasst zudem AC/DC- und DC/DC-Wandler zur Gestellmontage für Schienenfahrzeuge und streckenseitige Anwendungen mit DC-, einphasigen oder dreiphasigen AC-Eingängen bei Leistungen bis 10kW. Auch ein EN50155-konformer 300W-AC/AC-Wechselrichter mit einstellbarer Ausgangsfrequenz von 30 bis 600Hz ist erhältlich.

Hohe Belastungen im Schienenverkehr

Die Norm EN61373 definiert abhängig von der Installationskategorie die zulässigen Schock-, Vibrations-, Temperatur- und Feuchtigkeitsniveaus im Bahnumfeld. Diese reichen von den höchsten Belastungen im Bereich der Fahrwerke bis zu geringeren Beanspruchungen in fahrzeugmontierten Gehäusen (Kategorie 1, Klasse B). DC/DC-Wandler für Sensoren werden meist in dieser weniger belasteten Umgebung verbaut, benötigen jedoch oft dennoch eine Verkapselung und Maßnahmen zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit. Die Lebensdauer beträgt in der Regel 20 Jahre. Produkte wie die von RECOM werden durch Tests qualifiziert, darunter vollständige Leistungscharakterisierung, stark beschleunigte Lebensdauertests (HALT), Hochtemperatur-Soak-Tests und Temperaturwechselprüfungen.

Lösungen „von der Stange“ für Bahnanwendungen verfügbar

RECOM verfügt über ein breites Portfolio an robusten, EN50155-konformen DC/DC-Wandlern und einbaufertigen Komplettlösungen (Plug & Play) für Bahnanwendungen. Das Angebot reicht von Modulen mit geringer Leistung (8W bis 240W) über Lösungen im Bereich von 300W bis 4000W bis hin zu Stromversorgungen mit bis zu 10kW. Kundenspezifische Anpassungen sind ebenfalls möglich. Das Unternehmen verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich Bahnanwendungen und bietet umfassende technische Unterstützung sowie detaillierte Berichte zur Einhaltung von Umweltvorschriften und EMV-Anforderungen. Es stehen Design Referenzboards zur Verfügung, die die erforderliche EMI-Filterung zur Einhaltung der Norm EN50121-3-2 für Eingangsnennspannungen von 24–48V oder 72–110VDC enthalten (R-REF04-RIA12-1 bzw. R-REF04-RIA12-2).

Standardisierte DC/DC-Wandler und Stromversorgungen, die nach den Bahnstandards von RECOM qualifiziert sind, bieten eine kosteneffiziente und einfache Lösung zur Versorgung von Sensoren und zentralen Systemen – sowohl im Watt- als auch im Kilowattbereich. RECOM-Bauteile sind über den Vertriebspartner Arrow Electronics [3] erhältlich.
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