Graphen ist eine zweidimensionale Form (Allotrop) von Kohlenstoff, die aus nur ein Atom dicken Nanoschichten besteht, deren Atome in einem wabenförmigen, ebenen Gitter angeordnet sind. Es verhält sich wie ein Halbmetall und ermöglicht einen effizienten Transport von Wärme und elektrischer Energie entlang seiner Ebene, jedoch nicht in Querrichtung. Als Bulk-Material absorbiert es Licht über alle sichtbaren Wellenlängen stark, ist jedoch in einzelnen Lagen nahezu transparent. Auf atomarer Ebene gilt Graphen als eines der stärksten bekannten Materialien, da jedes Atom kovalent mit drei benachbarten Atomen verbunden ist. Diese strukturelle Steifigkeit führt zu einer außergewöhnlich hohen Elektronenbeweglichkeit von etwa 15000cm2/Vs (siehe Tabelle 1), wodurch Graphen eine höhere elektrische Leitfähigkeit als Silber erreicht.
Graphen weist darüber hinaus mehrere ungewöhnliche elektrische Eigenschaften auf. Es reagiert stark auf externe Magnetfelder, wodurch sich empfindliche Hall-Effekt-Sensoren realisieren lassen, die sowohl bei Raumtemperatur als auch bei kryogenen Temperaturen bis zu weniger als 1K über dem absoluten Nullpunkt zuverlässig arbeiten. Zudem eignet sich Graphen zur Herstellung graphenbasierter FETs (gFETs), die als Biosensoren eingesetzt werden können.
Ein gFET verwendet ein flüssiges Gate, bei dem geladene Biomoleküle den Kanalstrom beeinflussen, sodass Messungen auf Ionenbasis anstelle von Ladungsinjektionen möglich sind. Dies ermöglicht Echtzeitmessungen von Proteinen, Biomolekülen und Nukleinsäuren und unterstützt damit Anwendungen wie die CRISPR-Genbearbeitung, die Erforschung von RNA-Medikamenten, den Nachweis von Infektionskrankheiten bei Menschen, Pflanzen und Tieren sowie die Krebsforschung.
Die Forschung zu den einzigartigen elektrischen Eigenschaften von Graphen, die die Entwicklung neuartiger elektronischer Bauelemente ermöglichen könnten, wird fortgesetzt. Ein Schwerpunkt ist die Spintronik, bei der Informationen im Drehimpuls der Elektronen (Spin-up oder Spin-down) gespeichert werden. Die regelmäßige und starre Gitterstruktur von Graphen könnte sich dabei als ideales Trägermaterial für einen spintronischen nichtflüchtigen Speicher (NVM) auf atomarer Ebene bei Raumtemperatur eignen, der schneller als herkömmlicher Arbeitsspeicher ist und dennoch alle Daten beim Ausschalten beibehält.